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17.09.2018, Stuttgart

Zum Welt-Alzheimertag am 21. September 2018 gibt ein Geriater Antworten auf die wichtigsten Fragen zu einer der häufigsten Erkrankungen im Alter.

Nur eine Gedächtnislücke oder bereits Demenz?

Dr. med. Christoph Manegold, Chefarzt Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Diabetologie und Altersmedizin

Bereits 28 Prozent der Bundesbürger sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes über 60 Jahre alt, 6 Prozent davon über 80 Jahre – Tendenz steigend. Eine der häufigsten Erkrankungen im Alter ist die Demenz. Der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit und die damit einhergehende, fortschreitende Veränderung der Lebensumstände verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend. Dr. med. Christoph Manegold, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Diabetologie und Altersmedizin an der Sana Klinik Bethesda Stuttgart, erläutert die verschiedenen Arten von Demenz und zeigt den Weg zur Diagnose auf.

Aktuell sind in Deutschland nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft etwa 1,7 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, bis zum Jahr 2050 werden es etwa 3 Millionen sein. Schätzungen zufolge kommen in Deutschland jährlich rund 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Demenz als Folge einer chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns, die zu Störungen im Gedächtnis, der Orientierung, der Sprachfähigkeit sowie im Urteilsvermögen führen kann. Zudem können damit auch Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation einhergehen. „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es nicht nur eine Form der Demenz gibt. Die Demenz hat verschiedene Ursachen und kann höchst unterschiedlich verlaufen. Allen Formen gemeinsam ist ein vermehrter Verlust geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten. Der Gedächtnisverlust fällt meist zuerst auf“, erklärt Dr. Christoph Manegold. „Mit bis zu 70 Prozent ist die Alzheimer-Demenz die häufigste Form. Hierbei kommt es zu Eiweißablagerungen an den Nervenzellen, die die Kommunikation der Nervenzellen untereinander verhindern und Symptome wie Vergesslichkeit, Sprachstörungen und Orientierungsschwierigkeiten auslösen.“ Davon zu unterscheiden ist die vaskuläre Demenz, die von Durchblutungsstörungen ausgelöst wird. Ihr kann als Grunderkrankung ein Schlaganfall vorausgehen. Mischformen von Alzheimer-Demenz und anderen Demenzformen sind häufig. Sekundäre Demenzen hingegen werden durch andere Grunderkrankungen hervorgerufen, zB genetische Erkrankungen, die Parkinsonerkrankung und oder Alkoholmissbrauch. „Bei erfolgreicher Behandlung der Grunderkrankung können sich in einigen Fällen die Gedächtnisstörungen zurückbilden“, weiß der Internist und Geriater.

Die Diagnose von Demenz gehört in die Hand von Spezialisten

Treten Demenzsymptome, wie beispielsweise Vergesslichkeit oder Orientierungsstörungen, auf, ist es wichtig die Ursache abzuklären. „Die Diagnose von Demenz gehört in die Hand von Spezialisten und bedarf einer umfassenden kognitiven und körperlichen Untersuchung. Darüber hinaus werden die Angehörigen zur Krankengeschichte befragt“, erläutert Dr. Manegold. Tatsächlich fällt die Diagnose Demenz erst am Ende eines langen Prozesses. Denn die Grundbedingung ist, dass die kognitiven Einschränkungen und Begleitsymptome mindestens sechs Monate bestehen. „Und manchmal verbirgt sich hinter einer vermeintlichen Demenz keine körperliche Ursache sondern  ein seelisches Krankheitsbild, wie etwa eine Depression.“

Angehörige sollten sich rechtzeitig Unterstützung suchen

Der Verlauf einer jeden Demenz ist anders. Zudem sind die einzelnen Stadien nur sehr unscharf voneinander abzugrenzen. Auch wenn der Krankheitsverlauf höchst individuell ist, nehmen in der überwiegenden Zahl der Fälle die Einschränkungen im Laufe der Zeit  immer weiter zu. „Die Betreuung und Pflege eines Erkrankten ist ein Fulltime-Job, den niemand auf Dauer und ganz allein erfüllen muss und kann. Suchen Sie sich rechtzeitig professionelle Unterstützung – möglichst von Anfang an und nicht erst, wenn Sie am Rande der Erschöpfung sind“, rät Dr. Manegold. „Informieren Sie sich zudem umfassend über die Krankheit und was auf Sie zukommt.“ Das Behandlungsteam sowie der Sozialdienst der Sana Klinik Bethesda Stuttgart sind dabei die ersten Ansprechpartner. Sie geben Kontakte zu unterstützenden Angebote, wie Selbsthilfegruppen, professionellen Pflegediensten sowie Tagespflegeeinrichtungen. Und sie haben ein offenes Ohr für weitere Sorgen und Nöte der Angehörigen wie auch der Betroffenen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man jeden Tag Menschen mit Demenz begegnet, ohne dass es einem bewusst wird. Ziel der Veranstaltungen ist daher auch, bei allen Menschen ein besseres Verständnis für die Erkrankung zu erreichen.

 

Weitere Informationen zum Welt-Alzheimertag und der Woche der Demenz 2018
Die erste Woche der Demenz wurde 2015 zum ersten Mal deutschlandweit durchgeführt. Die Initiative dazu ging von der Allianz für Menschen mit Demenz aus, die diese Woche als zentrale öffentlichkeitswirksame Maßnahme beschlossen hat. Um die Gesellschaft auf die Situation der an Demenz erkrankten Personen aufmerksam zu machen, findet bereits seit 1994 der Welt-Alzheimertag statt. Auch in Deutschland geht es darum, die Öffentlichkeit für die Situation der rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz zu sensibilisieren. Die Woche der Demenz findet 2018 vom 17. bis 23. September statt. Das Motto lautet in diesem Jahr: „Demenz – dabei und mittendrin“. Damit will die Allianz für Menschen mit Demenz mit zahlreichen Veranstaltungen das Verständnis und die Unterstützung für Betroffene und pflegende Angehörige weiter fördern.

 

 

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